Sequenzielle Entwicklung und Auswertung einer Entscheidungshilfe (EH) für das geburtshilfliche Management bei Terminüberschreitung während unkomplizierter Einlingsgravidität

In den letzten Jahren wurde in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern in Fachkreisen darüber debattiert, ob – und falls ja, wann – es sinnvoll sei, schwangeren Frauen ab Erreichen des Geburtstermins eine Geburtseinleitung zu empfehlen. Die zu Beginn dieses Promotionsprojektes in Deutschland gültigen nationalen Leitlinien der einschlägigen Fachgesellschaft enthielten eine Empfehlung zur Geburtseinleitung bei einer Überschreitung des errechneten Geburtstermins um 7 Tage(1). Ziel der Geburtseinleitung ist es, die perinatale Mortalität zu senken, die möglicherweise ab der vollendeten 41. Schwangerschaftswoche ansteigt. Ob das jedoch so ist, und falls ja, welche ungeborenen Kinder gegebenenfalls tatsächlich von einer Geburtseinleitung profitieren, ist  nicht anhand aktueller Daten nachvollziehbar. Präferenzen von Schwangeren wurden bisher nicht systematisch untersucht. Die Beratung von gesunden Schwangeren am Termin in Bezug auf die möglichen Vorgehensweisen (beobachtendes Abwarten oder Einleiten; falls ja, wann und wie) ist unter diesen Bedingungen sehr schwierig. Schwangere Frauen möchten in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, sie wünschen sich dazu Informationen über alle Möglichkeiten und deren Vor- und Nachteile in angemessener Form. Eine Entscheidungshilfe von hohem Qualitätsniveau ist ein geeignetes Instrument, um Menschen in Entscheidungen bei komplexen gesundheitlichen Fragestellungen zu unterstützen.

 

Die Entwicklung, Evaluation und Implementierung einer wirksamen, evidenzbasierten Entscheidungshilfe ist eine komplexe Aufgabe. Um dem Anspruch einer soliden wissenschaftlichen Umsetzung zu entsprechen,  richtet sich die in dieser Arbeit beschriebene Vorgehensweise nach dem vom Medical Research Council 2008 vorgeschlagenen Rahmen zur Entwicklung komplexer Interventionen(2).  Damit ergibt sich eine Strukturierung des Vorhabens in mehrere Arbeitsschritte:

  • 1.       Systematische Recherche und Bewertung bestehender relevanter Entscheidungshilfen
  • 2.       Systematische Recherche und Bewertung relevanter klinischer Leitlinien
  • 3.       Bewertung aktueller relevanter perinataler Outcomeparameter in Deutschland, insbesondere der Mortalität reifer Feten
  • 4.       Entwicklung und Pilotierung einer Entscheidungshilfe
  • 5.       Implementierung der Entscheidungshilfe.

Die letzten beiden Schritte sind bei Einreichung der vorliegenden Arbeit noch nicht abgeschlossen. In den Projektzeitraum fiel die aktuelle Überarbeitung der erst 2010 in Deutschland publizierten Leitlinie zum Vorgehen bei Terminüberschreitung, in der eine Geburtseinleitung erst 10 Tage über dem errechneten Termin empfohlen wird(3).

 

1.           Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). S1 -Leitlinie: Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung. 2010.

2.           Craig P, Dieppe P, Macintyre S, Michie S, Nazareth I, Petticrew M. Developing and evaluating complex interventions: the new Medical Research Council guidance. BMJ [Internet]. 2008 Jan 29 [cited 2013 Aug 1];337(sep29_1):a1655. Available from: http://www.bmj.com/content/337/bmj.a1655

3.           Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). S1-Leitlinie: Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung [Internet]. 2014. Report No.: 015/065. Available from: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-065l_S1_Terminüberschreitung_Übertragung_02-2014.pdf

Hebamme Dr. rer.medic. Christiane Schwarz. Praktikerin, Dozentin, Autorin